Fühlen

Ich war ja mit meinem Mann in der Ausstellung „Impressionen- Depressionen“ der Robert Enke Stifftung. Und dort ging es auch um das Fühlen.

  • Wie fühlt sich ein Mensch mit Depressionen
  • Wie nimmt dieser diese Gefühle wahr/an
  • Wie drücken sie ihre Gefühle aus

Ich kann ja nur von mir sprechen und möchte dir lieb:r Leser:in sagen, einen Neuwagen aus dem Extrakatalog zusammenzustellen ist ein Klacks gegen das Erklären der o. g. Fragen. In meinem speziellen Fall kommen noch die Altlasten hinzu. Der nicht zu reinigende Fleck. Diese seelischen Narben, gepaart mit Lebenserfahrungen und tief sitzenden Ängsten machen mich zu der Arktis der Gefühle. Ich stehe mir oft selbst im Weg. Möchte schon durchaus mehr Spass und Lebensgaudi erleben, aber es stellt sich einfach nicht ein. Bei mir ist etwas entweder gut oder scheisse. Es lohnt sich, es erneut zu tun, das ist dann wohl der Spass, oder ich möchte diese Erfahrung nicht erneut erleben. Das ist dann bei mir allerdings sehr intensiv. Ich lebe in Extremen. In himmelhochjauchzent zu todegetrübt. Wann mich welcher Wahnsinn überkommt ist im allgemeinen unbekannt. Aber zurück zur Auflistung da oben.

Wie fühle ich mich? So allgemein betrachtet finde ich mich brauchbar. In guten Zeiten hat man was von mir. Ich bin dann aktiv erfreut etwas geschafft zu haben. Ich freue mich über kleine Erfolge. Ich habe Ideen und Motivation diese auch umzusetzten. Also kurz um, so wie du dich vermutlich die meisste Zeit fühlst. Das ist aber nicht mein „gute Zeiten “ Gefühl. Das gibt es so ohne Weiteres nicht. Es ist immer unterschwellig die Angst vor dem Unwetter, vor dem Niederschlag, des Versagens, des Missgefallen. Ich beschreibe es bei mir als schwimmendes Fundament. Es ist nie 100% standhaft. Und nun sag du mir, liebe:r Leser:in, wie fühlt sich das an?

Wie nehme ich diese Gefühlswelt an bzw. wahr? Bewusst und unbewusst. Ich merke sehr genau wenn ich glücklich oder zufrieden bin. Im Gegenteil zu der anderen Seite. Meisst merke ich viel zu spät das ich längst im Sturm sitze. Das kommt sicher auch daher, das ich diesen Zustand selber zu tiefst verabscheue, hasse und mit aller Kraft verdrängen und verbergen zu versuche. Dieser Zustand ist mir sehr peinlich. Ich habe ein bestimmtes Bild von Menschen mit Depressionen. Und kennen wir das nicht alle: so wie die/der möchte ich nie werden oder sein. Und was lacht dir dann die Realität ins Gesicht? Genau! Ich habe Schwierigkeiten meine Gefühle zu erkennen und noch viel mehr, zu akzeptieren. Und darum kann ich auch Gefühle anderer nur schwer akzeptieren. Das tut mir manchesmal so leid! Ich möchte mitfühlen, mit weinen, voller Wut mit fluchen oder einfach nur traurig sein. Das geht nicht. Ich habe Angst davor, mitgerissen zu werden. Die Kontrolle zu verlieren. Es sind nicht meine Gefühle. Und leider ist dies auch so wenn mir Menschen sagen das sie mich mögen, mich LIEBEN! Ich weiss es, oder ich glaube es zu wissen. Aber ich fühle es nicht! Es beschämt mich. Nicht die Tatsache DAS ich geliebt und gemocht werde. Die Tatsache das ich es nicht spüren kann, es kommt nicht an in meiner Seele oder dem Herzen. Und darum kann ich es nicht authentisch oder ehrlich zurück geben. Und das wiederum macht mich betrübt. Ich verletzte diese Menschen mit meinem Nichtverhalten. Stell dir fieses Fühlen ungefähr so vor: du bist in einem wunderschönen Konzert, ganz alleine in einem grossen Saal. Du sitzt auf einem Hocker der 2 Meter hoch ist. Keine Leiter, und du hörst die Musik nur durch eine dicke Wolldecke. Sehen kannst du die Band nur schemenhaft. Du bist also da, du weisst es ist wunderschön, aber du kannst nicht DABEISEIN, mitfeiern, mitfühlen, mitgehen und mitsingen. Und du weisst das du nach dem Konzert gefragt wirst wie es war. Und liebe:r Leser:in? Wie war es?

Wie drücke ich meine Gefühle aus? Eigentlich müsste diesen Beitrag jemand aus meinem engsten Umfeld beantworten. Aber das ist nun mal mein Blogg. Du bekommst also meine Sicht. Ich mache es kurz. Ich habe gelernt wann es möglicherweise angebracht ist, diese lieben Dinge zu sagen. Versteh mich nicht falsch, ich meine es auch so. Ich weiss das ich ohne diese Menschen verloren, einsam und nicht von dieser Welt wäre. Aber ich kann es nicht sagen, weil in meiner Gefühlsschublade einfach zu wenig Input ist. Und was nicht da ist, muss ich mühsam erlernen. Ich Bilde mir ein das es unecht ist, wenn ich mit den grossen liebenswerten Worten jongliere. Ich hoffe so sehr darauf das meine Menschen es einfach wissen und für mich mit fühlen.

Und dann gibt es ja noch die allgemeinen Gefühle wie Wut Traurigkeit, Überforderung und das ganze gute Zeug. Ich fühle sehr intensiv und wie mit einem Vergrößerungsglas. Wenn es kommt, dann eben richtig. In den schlechten Phasen ebenso, wie in den Guten. Und dann kommt es vor das ich Menschen ein Bild präsentiere, welches ich nur in dem Moment bin. Und dann versuche ich dieses Bild in der nächsten Begegnung erneut hervorzubringen. Das gelingt mir häufig nur unter extremer Kraft- und Energieaufwendung.

Es ist also recht anstrengend ich zu sein. Und zu Weilen finde ich mich auch richtig bescheuert. Dennoch lerne ich wieder einmal mehr, das meine Krankheit nie langweilig wird und doch eine verlässliche Konstante ist.

I’m fine

Ü

Veröffentlicht von mo/me/

Ich, geboren Melanie, genannt Melly, gelebt Morti. Such dir etwas aus. Das tue ich auch, je nach Stimmung und meinem Gegenüber. Mein Geburtsjahr ist ´74. Ich habe bald geburtstag, welcher mir noch nie wichtig war und ich diese Aufmerksamkeit und das "alle schauen auf mich und wollen mit mir sprechen" gar nicht steht. Ich schreibe diesen Blog weil ich mir helfen will, dir vielleicht ja auch! Aktuell komme ich nicht gut klar mit den Gedanken und Gefühlen , die nicht im Einklang sind mit meinem Gedächtnisverlust. Der wiederum ist, so sagen es die Fachprofis und einige sehr enge Menschen die mir mehr glaube als ich mir selbst, aus einer frühkindlichen Traumatisierung entstanden. Ich kann es dir nicht sagen, da mein Gehirn mir diese Erinnerungen nicht preis gibt. DAVON wiederum, kann ich druchaus den ein oder andern Tag verrückt werden. Bin ich bisher aber nur 1x so richtig, da bin ich dann ein paar Jahr zu einer Therapeutin gerannt, die mich wieder erträglich gemacht hat. Also für mich, für andere war ich das wohl immer. Die Schauspielschule meines Lebens hat schon immer gute Dienste geleistet. Du verstehst nur Bahnhof? Ok, dann lies einfach ab und an meinen Blog, vielleicht wird es besser, vielleicht lustiger, ab und an auch traurig und sicher auch gefährlich für Meschen mit ACHTUNG TRIGGER Missbrauchserlebnissen, Gewalterlebnissen, Extremsituationen und Depressionen. Willkommen in meiner Welt. Mo

Ein Kommentar zu “Fühlen

  1. … unter Menschen und doch irgendwie allein … nicht dazugehörig … ja, so sehen wir das hier und so fühlen wird das öfters hier. Das ist so individuell was jemand fühlt oder nicht fühlt oder vielleicht meint nicht zu fühlen. Komplimente annehmen, zu zeigen das man sich freut usw. usf. ja, ein schwieriges unterfangen. Aber es zu erkennen wie es ist ist doch schon ein großer Schritt, wie wir finden!

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